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Samstag, 1. August 2020

Archäologiepfad hat Ehrenkirchen

samstag, 1. august 2020

Kelten und Alemannen auf der Spur 

Mit dem Archäologiepfad hat Ehrenkirchen nun seinen dritten Erlebnispfad / Ein Rundweg von 6,5 Kilometer Länge
Von Andrea Gallien 

Aller guten Dinge sind drei: Nach Steinzeit- und Bergbaupfad gibt es in Ehrenkirchen jetzt auch den Archäologiepfad. Ausgangspunkt ist wie beim Bergbaupfad das Schützenhaus in Ehrenstetten, allerdings geht es genau in die entgegengesetzte Richtung. Christel Bücker von der Archäologie-Werkstatt in Freiburg erläuterte jüngst das Projekt, das fertiggestellt und ausgeschildert ist und begangen werden kann.
Christel Bücker hat gemeinsam mit ihrem Mann bereits den Steinzeit- und den Bergbaupfad angelegt. Ein ähnliches Konzept liegt nun auch dem dritten Erlebnispfad in Ehrenkirchen zu Grunde: Auf mehreren Schautafeln wird auf dem 6,5 Kilometer langen Rundweg erläutert, was für Spuren Kelten und Alemannen in Ehrenkirchen hinterlassen haben. Der Weg führt vorbei an einer keltischen Befestigungsanlage und alemannischen Steinkistengräbern und ist auch besonders für Familien mit Kindern geeignet.
Folgt man also vom Parkplatz am Schützenhaus aus dem kleinen keltischen Krieger mit Lanze auf grünem Grund, dem Motiv einer keltischen Münze nachgebildet, führt er die Wanderer zunächst in den Wald Richtung Kegelriß, einer noch bis zu sechs Meter hohen Wallanlage aus Holz und Erde. Noch bevor der römische Feldherr Julius Cäsar von 58 bis 52 vor Christus die Kelten in den gallischen Kriegen besiegte, hatten diese vermutlich 150 bis 80 vor Christus auf dem Kegelriß bereits eine befestigte stadtartige Anlage gebaut, wirft Christel Bücker einen Blick zurück in die Geschichte. 800 Jahre später siedelten hier die Alemannen, deren Steinkistengräber auf der Wanderung ebenfalls besichtigt werden können. 
Die keltische Höhensiedlung Kegelriß war etwa 16 Hektar groß, es war aber nicht die gesamte Fläche besiedelt, so Christel Bücker. Sie war von einer bis zu sechs Meter hohen Wallanlage umgeben, deren Reste heute noch zu sehen sind. Einzelne große Steine im Gelände könnten einmal Teil der Anlage gewesen sein. Rund 100 silberne und bronzene Münzen wurden auf dem Gelände gefunden, zudem ein Gürtelring, eine Ringperle aus Glas, und das Bruchstück einer Steinmühle, außerdem Teile einer römischen Bronzekanne und der Henkel einer römischen Bronzetasse. Warum der Kegelriß Kegelriß heißt, was er mit einem Kegelspiel zu tun hat und was sich dahinter für eine Sage verbirgt, das ist auf der großen Infotafel vor Ort nachzulesen.
Vom Kegelriß führt der Weg quer durch den Norsinger Grund zu den Alemannengräbern. Die Alemannen hatten sich am Ende des dritten Jahrhunderts nach Christus rechts des Rheins im heutigen Baden-Württemberg niedergelassen. Laut einer römischen Schriftquelle, so Christel Bücker, bezeichnet der Name Alemannen „zusammengespülte und vermengte Menschen" , also Menschen aus verschiedenen Regionen und Stämmen, „alle Männer" – Alemannen. Drei alemannische Gräber am Ausgang des Ambringer Grundes, die vermutlich aus der zweiten Hälfte des siebten oder dem frühen achten Jahrhundert stammen, waren 1908 ausgegraben worden, aber im Laufe der Jahre wieder völlig zugefallen. Christel Bücker und ihr Mann haben die Corona-Zeit genutzt, um sie wieder auszugraben. Über den Zustand der so genannten Steinkisten-Gräber sei sie sehr erstaunt gewesen, so Bücker, sie seien noch sehr gut erhalten. Viele Spaziergänger seien in dieser Zeit vorbeigekommen und überrascht gewesen, was sich so alles im Boden befindet.
Da es sehr aufwändig wäre, drei Gräber zu sichern, wurden zwei fotografiert und dann wieder geschlossen. Eines ist offen geblieben und vor Ort zu besichtigen. Es ist allerdings derzeit nur durch ein Flatterband geschützt. Rund 12 500 Euro kostet eine Einhausung zur Sicherung des Grabes und der Spaziergänger. Diese Einhausung wird noch errichtet. 
Christel Bücker vermutet, dass die Gräbergruppe im Zusammenhang steht mit der heute untergegangenen Siedlung Wolfsberg, die 1318 erstmals erwähnt wurde. Am Wolfsberggraben finden sich Reste einer mittelalterlichen Motte, einer Niederungsburg aus Holz. Sie wurde möglicherweise im Zusammenhang mit dem nahe gelegenen Bergbaurevier als Schutzburg errichtet.
Diese und zahlreiche weitere historische Hinweise und Geschichten sind den Informationstafeln am Archäologischen Pfad zu entnehmen. Dort gibt es auch Flyer, auf denen Wissenswertes nachzulesen ist und der Verlauf des Pfades genau verfolgt werden kann. Wer sich noch genauer informieren möchte, kann dies im Rahmen einer Führung machen, die Christel Bücker anbietet. Der archäologische Pfad wurde angelegt mit Unterstützung der Archäologischen Stiftung Baden-Württemberg .
Die Erlebnispfade kommen, so der Eindruck von Ehrenkirchens Bürgermeister Thomas Breig, im Ort und bei den Besuchern sehr gut an. Gerade in der Corona-Zeit, als mancher die nähere Umgebung wieder mehr in Augenschein genommen hat, seien viele Spaziergänger am Ölberg auf dem Steinzeitpfad und im Ehrenstetter Grund am Bergbaupfad unterwegs gewesen. „Es gab durch die Bank ein positives Echo".
Informationen zum Archäologischen Pfad und zu dessen Verlauf sollen bald auch auf der Homepage der Gemeinde Ehrenkirchen zu finden sein. Wer Interesse an einer Führung auf dem Archäologiepfad oder den anderen hat, kann dies beim Rathaus Ehrenkirchen unter 07633/80447 anmelden. Quelle BZ 

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